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Wasserstoff – auf der letzten Meile?

In den kommenden Jahren wird sich die Arbeitswelt auf dem Gebiet Mobilität der Bevölkerung durch die Verkehrswende und die immer weiter fortschreitende Digitalisierung radikal verändern. Dies betrifft zum einen unser Mobiltiätsverhalten an sich, die bessere Vernetzung der unterschiedlichen Verkehrsmittel untereinander, aber auch die Veränderung der Antriebssysteme.

Teil der heutigen Diskussion ist deshalb die Frage, welche Rolle Wasserstoff in der Mobilität der Zukunft spielen wird. Wieweit müssen wir bereits heute den Blick auf die Zukunft fokussieren, um mit der erforderlichen Infrastruktur und den beruflichen Qualifikationen rechtzeitig auf eine Wende vorbereitet zu sein?

Bei den Nutzfahrzeugen scheint sich der Wasserstoff in Zukunft als „Neuer Diesel“ zu etablieren. Aber wie sieht es auf der letzten Meile aus? Zulieferfahrzeuge mit Brennstoffzelle oder gar FuelCell-Lastenfahrräder?

Sowohl die Fahrzeughersteller, Zulieferer als auch Werkstätten, Mobilitätsdienstleister und kommunale Betriebe stehen daher vor großen Herausforderungen, ihre Mitarbeiter zu unterstützen, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Doch wie können neue Ideen und Qualifikationsmaßnahmen in die kleinen und mittleren Unternehmen gelangen, ohne diese zu überfordern?

Eine Berufsschule in Burgdorf in Niedersachsen traut sich, aus eigener Kraft etwas zu tun, um bereits bei den Auszubildenden die Motivation zu fördern, sich mit dem Thema Wasserstoff auseinanderzusetzen. Hiermit möchten wir das Thema des letzten Stammtisches fortsetzen, um gerade KMU zu zeigen, wie Ausbildung und Qualifikation zur Unternehmensentwicklung beitragen können.

Um gemeinsam mit Ihnen nach niederschwelligen Lösungen zu suchen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diese Zukunft vorbereiten, freuen wir uns auf:

Teilnehmer
Christoph Falkner    StudiendirektorBBS Burgdorf
Jens Stegemann    Technische Leitunge2H2 DriveSystems GmbH
Moderation
Frank FickelNetzwerkmanagementITS mobility

Bericht zum Stammtisch “Wasserstoff – Retrofit für Nutzfahrzeuge vom 08.04.2022

Zu Gast beim Stammtisch “Wasserstoff – Retrofit für Nutzfahrzeuge“, waren Maik Groß (Leiter Technisches Training, FAUN Umwelttechnik) und Sven Hertel (CEO, LEELOO Engineering).

Der Einbau eines Wasserstoffantriebs in Nutzfahrzeuge oder der Retrofit-Umbau unterliegt besonderen Herausforderungen, die es erforderlich machen entsprechendes Personal für die veränderten Anforderungen zu qualifizieren. Welche Schritte im Prozess der Weiterbildungsmaßnahmen fehlen oder bereits exsitieren, was verbesserungswürdig und wie ein zukünftiges Bildungsmodell aussehen könnte, wurde mit zwei Experten aus der Wasserstoffbranche diskutiert.

Die Qualifizierung des Personals ist vermeintlich der Schlüssel zum Erfolg. Besonders wichtige Bausteine sind die Förderung derintrinsischen Motivation eines jeden Einzelnen sowie die zeitliche Planung in der die Qualifikation umgesetzt werden soll. Dabei sollte das Interesse der Mitarbeiter*innen an neuen Technologien als Grundlage dienen, um Firmen einen Mehrwert zu geben, ihr Personal zu schulen und weiterzubilden.

Vor allem im Bereich von Wasserstofftechnologien ist das Angebot noch ausbaufähig, da bei den meisten Unternehmen in diesem Bereich noch Unwissenheit herrscht. Falsche Vorstellungen über die Potenziale und überholte Vorurteile müssen abgebaut werden. Neben dem Aufbau einer passenden Infrastruktur muss auch eine weitgreifende Diskussion zu den beruflichen Anforderungen erfolgen, wenn die Klimaziele bis 2050 erreicht werden sollen. Eine 100%tige Wasserstoffnutzung soll bis dahin möglich sein. Infrastrukturen müssen ausgebaut werden, denn nur wenn die Nutzung vorhanden ist, können die Bildungsmaßnahmen mit dem Technologiewandel Hand in Hand gehen. Der Retrofit-Umbau kann in den Werkstätten dezeit kaum umgesetzt werden, da das Personal und die Infrastrukturen der Werkstätten nicht auf Wasserstoffantriebe ausgelegt sind.

Doch wer sieht sich in der Pflicht den Denkanstoß bei der Umrüstung zu geben? Digitale Mobilität muss schließlich ganzheitlich betrachtet werden. Die Qualifikation der Mitarbeiter*innen hält dabei der technischen Entwicklung kaum stand. Bereits bei der Entwicklung neuer Technologien sollte die berufliche Qualifikation mitgedacht werden, um die Entwicklung von Weiterbildungsmaßnahmen deutlich zu verkürzen. Hier müssen Testfelder erschlossen und die Zugänge für Unternehmen einfacher gestaltet werden, um schneller eine Vielzahl an Personal umschulen zu können.

Praxisorientierte Trainings- und Anwendungsfälle ermöglichen es einen schnelleren Zugang zu neuer Technologie zu gewähren. Netzwerke können an dieser Stelle hilfreich sein, um die Zugänge zu generieren, da neue Technologien bei geringerer Nutzung zu Beginn sehr kostenintensiv sind. Ein solcher Ausbau muss genutzt werden, um die erforderliche Infrastruktur möglichst schnell auszubauen und den Nutzen für die Unternehmen zu erhöhen. Eine Stärkung der Nachfrage ist somit essenziell, da sind sich die Teilnehmer des Stammtisches einig.

Regelmäßige Schulungen sollten deshalb ein fester Bestandteil der Weiterbildungsmaßnahmen für alle Mitarbeiter*innen sein. Dabei dürfen die Basisqualifikationen nicht außer Acht gelassen werden, es muss übergreifend im gesamten Infrastrukturbereich gedacht werden. Als Beispiel kann hier die Installation von Ladesäulen gelten: ein Prozess, der nur sehr langsam voranschreitet, da die erforderlichen Fachkräfte fehlen, die diese installieren können. Der ganzheitliche Gedanke muss her, hier sollte aus den Fehlern der Elektomobilität gelernt werden. Was bringt das Auto auf der Straße, wenn es keine Tankstellen gibt, keine Werkstätten, die diese Autos reparieren können? Gerade bei der Umrüstung auf Wasserstoff erfordert es häufig eine eigene Tankstelle, da es ansonsten an einer Infrastruktur fehlt.

Um in diesem Bereich die Ausbildung voranzutreiben müssen bisherige Aus- und Weiterbildungen schneller an veränderte Anforderungen angepasst werden. Vor allem die Berufsschulen handeln dahingehend zu defensiv. Der Kontakt zu Bildungseinrichtungen müsste regelmäßiger bestehen, als es derzeit der Fall ist, um schneller auf die Bedürfnisse des Marktes reagieren zu können. Der Prozess der Etablierung neuer Weiterbildungsmaßnahmen ist noch zu langsam.

Insgesamt könnte dieser Prozess beschleunigt werden, wenn Kooperationen mit Technologiezentren hergestellt und aufgebaut werden. Hierzu müsste die starre Bildungsstruktur geöffnet werden, um schnell und flexibel neue Bausteine im Bereich der Qualifikation zu entwickeln, die auch außerhalb der klassischen Berufsbildungsstruktur in Kompetenzzentren vermittelt werden können. Die Industrie- und Handelskammern könnten hier als Schnittstelle im Bereich der Zertifizierung und Vernetzung unterschiedlicher Bildungsakteure wirken. Für Interessierte würde dies bedeuten, dass verschiedene Module zur Thematik Wasserstoff in verschiedenen Firmen erworben werden können, die entsprechend als Qualifikation anerkannt werden.

Wir bedanken uns recht herzlich bei allen Teilnehmern des Stammtisches und freuen uns auf die nächste Diskussionsrunde.

Digitaler Stammtisch „KMU Troubleshooting“ 05.11.2021

Fachkräftemangel, Technologiewandel, Transformation – Weiterbildung? Erfahrungsberichte engagierter Unternehmen und KMUs aus der Region!

Termin (online), Freitag, den 05. November 2021 13.00 – 14.30 Uhr

Die Auswirkungen der Demografie, des technologischen Wandels und der Digitalisierung prägen mittlerweile die Unternehmenskultur von KMUs und Großbetrieben. Wie können Antworten und Konzepte aus der Praxis auf diese Themen aussehen? Kann eine passgenaue und moderne Weiterbildungskultur die Antwort auf die Fragestellung sein?

An unserem Stammtisch am 05.11.2021 betrachten wir das Thema der Qualifikation aus Sichtweise der Unternehmen und diskutieren gemeinsam mit Ihnen die Situation des Fachkräftemangels und möglicher Lösungsansätze bezogen auf das Land Brandenburg.

Unternehmensvertreter und ausgewählte Bildungsexperten stellen in Form von erfolgreich umgesetzten Maßnahmen mögliche Ansätze und Lösungsvorschläge vor, die wir gerne anhand Ihrer Fragestellungen vertiefen möchten. Als Leiterin der Servicestelle Verbundausbildung des AVT gibt Frau Schubert zudem einen Einblick in die engen Zusammenarbeit mit typischen KMUs Brandenburgs im Bereich der Nachwuchsförderung.

Mit der Stammtischreihe bietet das Projekt „R-Learning Kollektiv“, gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, allen Interessierten eine Plattform zum Austausch. Niedrigschwellig in der Teilnahme und hochkarätig besetzt, diskutieren wir regelmäßig bildungsrelevante Themen im Kontext „Aufbau und Etablierung von Weiterbildungsverbünden“.

Teilnehmer

Moderation:
Daniel DrewsGeschäftsführer Berufsbildungsverein Prenzlau e.V.
Karl-Heinz GanzlebenBildungsexperte Ausbildungsverbund Teltow e.V.
Referenten:
Thomas LehnerSpezialist Bildung der Paul Hartmann AG
Michael StutzkeAusbildungsleiter Stadtwerke Prenzlau GmbH
Danny KnelsNiederlassungsleiter NEW TEC Passow
Gerhard EberweinGeschäftsführer Hydraulikservice Eberwein
Christine SchubertLeiterin der Servicestelle Verbundausbildung des AVT e.V.

Stammtisch Wasserstoff Teil 2: Themenschwerpunkt Weiterbildung

Unter dem Titel „Wasserstoff: Brauchen wir neue Berufsprofile?“ diskutierte der heutige Stammtisch Ideen für die bessere Integration von Weiterbildungsmaßnahmen in die Berufswelt. Die Moderation übernahm Uwe Schulz-Hofen, ehemaliger Abteilungsleiter „Arbeit und Berufliche Bildung“ in der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen.

Es diskutierten mit den Zuschauern:

  • Antonia Kohlbecher, Abteilungsleiterin für Arbeitsmarkt, Bildung, Integration und Gesellschaftspolitik bei den Unternehmensverbänden Niedersachsen, 
  • Frank Fickel, Projektmanager Netzwerkmanagement bei der ITS mobility Deutschland, Experte für die Themen Wasserstoff und automatisches sowie vernetztes Fahren und Verbundpartner im Weiterbildungsverbund 
  • Felix Fleckenstein, Projektleiter bei der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes und Mitglied des Niedersächsischen Wasserstoffnetzwerks 

Die Dynamik des Ausbaus der Digitalwirtschaft, der Elektromobilität, der Energie- und in der Wasserstoffwirtschaft nimmt zu. Eine Diffusion von Sprunginnovationen steht bevor. Ein dabei leicht zu übersehender, gefährlicher Engpassfaktor könnte das dafür erforderliche Fachkräfteangebot werden. 

Im 1. Block ging es um die Frage, welche konkreten Kompetenzen in der Energie-, Wasserstoff- und Digitalwirtschaft nachgefragt werden?  

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB hat auf der Grundlage einer noch sehr kleinen Datenbasis eine Liste mit Begriffen, die Bezüge zu möglichen H2-Kompetenzen aufweisen mit Anforderungen in online-Stellenanzeigen verglichen. Die identifizierten Stellen betrafen ca. 25 unterschiedliche Berufsgruppen. Das Anforderungsniveau der ausgeschriebenen Stellen wurde sowohl mit „hochkomplexe Tätigkeiten“ als auch mit „fachlich ausgerichtete Tätigkeiten“ beschrieben. 

Diese in erster Linie wissensbezogenen Kompetenzen müssen mit der Kompetenz „Fertigkeiten“ und den personalen Kompetenzen „Sozialkompetenz“ und „Selbstkompetenz“ einhergehen. Die erforderlichen Kompetenzen können nicht einfach „vermittelt“ werden; sie können z.B. im Zusammenhang mit projektbezogenen Aufgaben in Geschäftsprozessen entstehen, für die Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden müssen. Berufsübergreifende Kompetenzen werden voraussichtlich eine stärkere Bedeutung haben als berufsspezifische Kompetenzen. 

In einem 2. Block stand zur Diskussion, in welcher Weise die in Deutschland bestehenden Qualifizierungssysteme weiterentwickelt werden müssen, damit die benötigten Fachkräfte rechtzeitig und in ausreichendem Umfang qualifiziert werden können? 

Entlang der in Deutschland etablierten Ordnungsmittel und Systeme ergeben sich neue Qualifikationen erst aus der Anwendung neuer Technologien in der Praxis. Problematisch wird es aber, wenn für künftige Tätigkeiten qualifiziert werden muss, die noch nicht etabliert und teilweise noch gar nicht bekannt sind. 

Die in den Teilsystemen unterschiedlichen Flexibilitätsspielräume müssen stärker genutzt werden; Aus- und Weiterbildung sind bisher zu stark voneinander getrennt. Erfahrungen der Beschäftigten aus den Betriebsabläufen heraus müssen stärker genutzt werden. 

Im 3. Block wurde besprochen, wie möglichst viele Beschäftigte die für die Entwicklung der Energie-, Wasserstoff- und Digitalwirtschaft erforderlichen Kompetenzen möglichst schnell erwerben können? 

Betriebe entweder mitten im Innovationsprozess oder Betriebe die wegen einer angespannten Auftragslage dazu neigen, Innovationen zu verschieben, können ihre Beschäftigten nicht für eine mehrwöchige Weiterbildung entbehren. Ein schrittweise Kompetenzentwicklung von ca. 1-wöchigen Submodulen, zu Modulen und schließlich Berufsbildpositionen unter Einbeziehung von Plattformlernen und peer-group learning wurde als gangbarer Weg dafür angesehen. Dies könnte mit einer gezielten Förderung von Betrieben, die ihren Beschäftigten eine Qualifizierung ermöglichen, flankiert werden. 

Im 4. Block wurde die Rolle von Weiterbildungsverbünden thematisiert und hinterfragt, wie sie Klein- und Mittelbetriebe in diesem Prozess optimal unterstützen können. 

Dafür ist eine hohe Akzeptanz der KMU und ihrer Beschäftigten erforderlich. Die in einem Netzwerk kooperierenden Betriebe müssen davon ausgehen können, dass sie von der Zusammenarbeit gut profitieren können. Initiativen wie Ideen-Börsen können die entscheidenden Aktivitäten dafür auslösen. 

Weiterbildungsverbünde können in Zusammenarbeit mit Wirtschafts- und Sozialpartnern, unterschiedlichen Bildungsdienstleistern und Netzwerken die KMU z.B. bei  

  • der Identifizierung erforderlicher Qualifikationsanforderungen, 
  • als Lotsen bei der Auswahl der passenden Kompetenzvermittlung, 
  • mit einem betriebsspezifischen Qualifizierungscoaching, 
  • beim Aufbau von peer-group-learning 
  • der Nutzung von Qualifizierungsplattformen 

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